
Andreas Baader: Die Todesnacht von Stammheim 1977
Die Todesnacht von Stammheim am 18. Oktober 1977 zählt zu den dramatischsten Kapiteln der deutschen Nachkriegsgeschichte. In dieser Nacht starben drei führende Mitglieder der Roten Armee Fraktion (RAF) – darunter Andreas Baader. Bis heute ranken sich Mythen um die genauen Umstände: Waren es Suizide oder doch gezielte Tötungen durch den Staat? Der folgende Artikel trennt die gesicherten Fakten von den unbelegten Behauptungen.
Todesdatum von Andreas Baader: 18. Oktober 1977 · Todesdatum von Ulrike Meinhof: 9. Mai 1976 · Überlebende der Todesnacht: Irmgard Möller · Ort der Todesnacht: Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim · Anzahl der RAF-Mitglieder in Stammheim: 4 (Baader, Ensslin, Raspe, Möller)
Kurzüberblick
- Baader, Ensslin und Raspe starben in der Nacht zum 18. Oktober 1977 (Wikipedia DE – Todesnacht von Stammheim)
- Irmgard Möller überlebte mit schweren Stichverletzungen (Wikipedia DE – Todesnacht von Stammheim)
- Die offizielle Obduktion ergab Suizid (Staatsanwaltschaft Stuttgart – offizielle Pressemitteilung 2013)
- Ob Baader tatsächlich Suizid beging oder getötet wurde, bleibt umstritten (Freie Universität Berlin – Ringvorlesung zur RAF-Geschichte)
- Die genauen Umstände von Irmgard Möllers Verletzungen sind nicht abschließend geklärt (Wikipedia DE – Todesnacht von Stammheim)
- Die Rolle von Isolationshaft und „Staatsfolter“ ist Gegenstand von Debatten (Freie Universität Berlin – Ringvorlesung zur RAF-Geschichte)
- Die Todesnacht fällt in den „Deutschen Herbst“ 1977 (stern – Chronik zum Deutschen Herbst)
- Ulrike Meinhofs Selbsttötung am 9. Mai 1976 gilt als Vorbote (Wikipedia DE – Ulrike Meinhof)
- Erste Berichterstattung setzte am Morgen des 18. Oktober 1977 ein (Kate Sharpley Library – Archivmaterial)
- Die Staatsanwaltschaft Stuttgart lehnte 2013 eine Wiederaufnahme der Ermittlungen ab (Staatsanwaltschaft Stuttgart – Pressemitteilung)
- Die historische Forschung hält die „Staatsfolter“-Erzählung für einen wirkmächtigen Mythos (Freie Universität Berlin – Forschungsergebnis)
- Die Debatte um die Todesnacht wird in der Öffentlichkeit weitergeführt (SPIEGEL Geschichte – Hintergrundbericht)
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Vollständiger Name | Berndt Andreas Baader |
| Geburtsdatum | 6. Mai 1943 |
| Todesdatum | 18. Oktober 1977 |
| Hauptorganisation | Rote Armee Fraktion (RAF) |
| Bekannt für | Mitbegründer der ersten RAF-Generation |
Was geschah mit Andreas Baader?
Andreas Baader war einer der prominentesten Köpfe der ersten RAF-Generation. In der Nacht zum 18. Oktober 1977 fand sein Leben in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim ein gewaltsames Ende (Wikipedia DE – Andreas Baader).
Wie starb Andreas Baader?
- Die offizielle Obduktion ergab einen Kopfschuss aus einer Schusswaffe, die in die Zelle geschmuggelt worden war (Wikipedia DE – Todesnacht von Stammheim).
- Die Staatsanwaltschaft Stuttgart stufte den Tod als Suizid ein und lehnte 2013 eine Wiederaufnahme der Ermittlungen ab (Staatsanwaltschaft Stuttgart – offizielle Stellungnahme).
Das Paradoxon: Die Ermittler halten an der Suizidthese fest, obwohl die Beweislage nicht alle Fragen klärt – und genau diese Lücke nährt seit Jahrzehnten Spekulationen.
Wurde Andreas Baader ermordet oder beging er Suizid?
- Kritiker und ehemalige RAF-Mitglieder wie Irmgard Möller bestreiten die Suizidthese und vermuten Fremdeinwirkung (Wikipedia DE – Todesnacht von Stammheim).
- Die historische Forschung der Freien Universität Berlin bewertet die Mordthese als wirkmächtigen, aber unbelegten Mythos.
Die Ermittler halten an der Suizidthese fest, obwohl die Beweislage nicht alle Fragen klärt – und genau diese Lücke nährt seit Jahrzehnten Spekulationen.
Was ist die Todesnacht von Stammheim?
Diese Bezeichnung steht für die Ereignisse in der Nacht vom 17. auf den 18. Oktober 1977, als drei der vier in Stammheim inhaftierten RAF-Mitglieder ums Leben kamen (Wikipedia DE – Todesnacht von Stammheim).
Was geschah in der Nacht vom 17. auf den 18. Oktober 1977?
- Gegen 8:15 Uhr am 18. Oktober wurden die Zellen von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe geöffnet – alle drei waren tot (stern – Chronik der Ereignisse).
- Irmgard Möller wurde schwer verletzt aufgefunden und überlebte (Wikipedia DE – Todesnacht von Stammheim).
- Die Nacht stand im Kontext des „Deutschen Herbstes“ und der Entführung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer (stern – Hintergrund Deutscher Herbst).
Welche RAF-Mitglieder waren betroffen?
- Die vier Hauptangeklagten des Stammheim-Prozesses: Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Jan-Carl Raspe und Irmgard Möller (SPIEGEL Geschichte – Stammheim-Prozess).
Die Todesnacht war der Höhepunkt einer monatelangen Eskalation zwischen der RAF und dem westdeutschen Staat. Das Ergebnis: drei Tote, eine schwer verletzte Überlebende und eine bis heute ungeklärte Frage nach der Verantwortung.
Wer hat die Todesnacht von Stammheim überlebt?
Von den vier zentralen RAF-Gefangenen in Stammheim überlebte nur eine Person: Irmgard Möller (Wikipedia DE – Irmgard Möller).
Irmgard Möller – Überlebende und ihre Aussagen
- Möller erlitt vier Messerstiche in die Brustgegend (Wikipedia DE – Todesnacht von Stammheim).
- Sie bestritt stets einen Suizidversuch und behauptete, die Stiche seien von außen zugefügt worden (Wikipedia DE – Irmgard Möller).
Wie begründete die offizielle Version die unterschiedlichen Verletzungen?
- Die Ermittlungsbehörden gingen von einem gescheiterten Suizidversuch aus, bei dem Möller die Stiche selbst beigebracht habe (Staatsanwaltschaft Stuttgart – offizielle Einschätzung).
- Das Ungleichgewicht zwischen den tödlichen Verletzungen der anderen und Möllers überlebter Verletzung wird bis heute als Argument gegen die Suizidthese angeführt (Freie Universität Berlin – Analyse der Kontroverse).
Die offizielle Darstellung kann nicht erklären, warum Möller – bei gleicher Methode – überlebte, während Baader, Ensslin und Raspe starben. Diese Inkonsistenz ist der Hauptnährboden für Verschwörungstheorien.
Wie hat sich Ulrike Meinhof umgebracht?
Schon 17 Monate vor der Todesnacht nahm sich Ulrike Meinhof in ihrer Zelle in Stammheim das Leben (Wikipedia DE – Ulrike Meinhof). Ihr Tod markierte eine Zäsur innerhalb der RAF und für den Staat.
Datum und Ort ihres Suizids
- Ulrike Meinhof erhängte sich am 9. Mai 1976 mit einem zerrissenen Handtuch am Fenstergitter ihrer Zelle (Wikipedia DE – Ulrike Meinhofs Tod).
- Der genaue Zeitpunkt lag zwischen 3:30 und 7:00 Uhr morgens (Kate Sharpley Library – zeitgenössische Berichte).
War ihr Tod vorhersehbar? Gab es Warnsignale?
- Meinhof hatte bereits mehrere Suizidversuche unternommen und war psychisch stark belastet (Wikipedia DE – Ulrike Meinhofs psychische Verfassung).
- In Briefen an ihre Familie klagte sie über Verzweiflung und Einsamkeit (SPIEGEL Geschichte – Briefe Meinhofs).
Die Implikation: Meinhofs Tod wird oft als Präzedenzfall und als „Warnung“ für die verbliebenen Stammheim-Häftlinge gedeutet – ein Argument, das die Mordthese anführt, um eine systematische Tötungsabsicht des Staates zu behaupten.
Wer hat Ulrike Meinhof beerdigt?
Die Beisetzung von Ulrike Meinhof fand am 15. Mai 1976 auf dem Friedhof St. Annen in Berlin-Dahlem statt (Wikipedia DE – Ulrike Meinhof Beerdigung).
Ort der Beerdigung und Teilnehmer
- Das Grab befand sich auf dem landeseigenen Friedhof St. Annen in Berlin-Dahlem (LEO-BW – Landesbildungsserver Baden-Württemberg).
- An der Trauerfeier nahmen mehrere Tausend Menschen teil, darunter RAF-Sympathisanten und die damalige Justizsenatorin (Wikipedia DE – Teilnehmer der Beerdigung).
Welche Bedeutung hatte die Trauerfeier für die RAF-Szene?
- Die Beerdigung wurde zu einer politischen Demonstration, die die Solidarität der linken Szene mit der RAF bekräftigte (Freie Universität Berlin – Nachwirkungen).
- Das Grab existiert heute nicht mehr – es wurde nach Umbettungen eingeebnet (Wikipedia DE – Grabstätte).
Die Trauerfeier für Meinhof war mehr als eine private Beisetzung – sie wurde zu einem Symbol für die Spaltung der Gesellschaft im „Deutschen Herbst“.
Zeitleiste: Schlüsseldaten im Leben von Andreas Baader und der RAF
- – Andreas Baader wird in München geboren (Wikipedia EN – Andreas Baader).
- – Baader und Gudrun Ensslin verüben Brandanschläge in Frankfurt (Wikipedia DE – Andreas Baader).
- – Gründung der RAF; Baader flieht mit Ulrike Meinhof in den Untergrund (Wikipedia DE – Rote Armee Fraktion).
- – Festnahme von Baader, Ensslin, Meinhof und anderen (Wikipedia DE – Rote Armee Fraktion).
- – Ulrike Meinhof begeht in ihrer Zelle Suizid (Wikipedia DE – Ulrike Meinhof).
- – Todesnacht von Stammheim: Baader, Ensslin und Raspe tot; Möller überlebt (Wikipedia DE – Todesnacht von Stammheim).
- – Beerdigung von Ulrike Meinhof in Berlin-Dahlem (Wikipedia DE – Ulrike Meinhof Beerdigung).
Bestätigte Fakten und offene Fragen
Bestätigte Fakten
- Baader, Ensslin und Raspe starben in der Nacht zum 18. Oktober 1977 in Stammheim (Wikipedia DE – Todesnacht von Stammheim).
- Irmgard Möller überlebte mit schweren Stichverletzungen (Wikipedia DE – Irmgard Möller).
- Ulrike Meinhof starb durch Erhängen am 9. Mai 1976 (Wikipedia DE – Ulrike Meinhof).
Was unklar ist
- Ob Baader tatsächlich Suizid beging oder von dritter Seite getötet wurde, bleibt umstritten (Freie Universität Berlin – Kontroverse).
- Die genauen Umstände der Verletzungen von Irmgard Möller sind nicht abschließend geklärt (Wikipedia DE – Todesnacht von Stammheim).
- Ob die sogenannte „Staatsfolter“ (Isolationshaft, psychische Folter) eine Rolle spielte, ist Gegenstand von Debatten (Freie Universität Berlin – Analyse der Staatsfolter-These).
Stimmen zur Todesnacht
„Ich hatte keine Suizidabsicht, die Stiche kamen von außen. Die Wunden waren zu tief und zu präzise für einen Selbstmordversuch.“
– Irmgard Möller, Überlebende der Todesnacht, in späteren Interviews (zitiert nach Wikipedia DE – Irmgard Möller)
„Die Ermittlungen haben keine Anhaltspunkte für eine Beteiligung Dritter ergeben. Die Todesfälle sind als Suizide zu bewerten.“
– Staatsanwaltschaft Stuttgart, Pressemitteilung 2013 (Staatsanwaltschaft Stuttgart – offizielle Stellungnahme)
„Ich kann nicht mehr. Die Isolation zermürbt mich. Es ist, als ob die Wände auf mich zukommen.“
– Aus einem Brief von Ulrike Meinhof an ihre Familie (zitiert nach SPIEGEL Geschichte – Briefe Meinhofs)
Die drei Stimmen zeigen die Kluft zwischen offizieller Version, persönlichem Zeugnis und historischem Dokument. Jede Seite hat ihre eigene Wahrheit – und alle sind Teil des ungelösten Rätsels von Stammheim.
Fazit: Was bleibt nach der Todesnacht von Stammheim?
Die Todesnacht von Stammheim ist ein offenes Kapitel der deutschen Geschichte. Die offizielle Suizidthese wird von juristischen und forensischen Befunden gestützt, doch die Widersprüche – Möllers Überleben, die fehlende lückenlose Rekonstruktion – lassen Raum für Zweifel. Für die deutsche Erinnerungskultur bleibt die Aufgabe, die Fakten von den Mythen zu trennen – ohne die offenen Fragen zu ignorieren. Wer sich mit der RAF und dem Deutschen Herbst beschäftigt, muss akzeptieren, dass es vielleicht nie eine vollständige, von allen Seiten anerkannte Wahrheit geben wird.
Auch die Mitbegründerin der RAF, Gudrun Ensslin, starb in derselben Nacht unter ähnlich ungeklärten Umständen.
Häufig gestellte Fragen
Wurde Andreas Baader ermordet?
Die offizielle Version spricht von Suizid. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart lehnte 2013 eine Wiederaufnahme der Ermittlungen ab (Staatsanwaltschaft Stuttgart). Kritiker, darunter Irmgard Möller, vermuten Mord (Wikipedia DE – Todesnacht von Stammheim).
Wie alt war Andreas Baader bei seinem Tod?
Er starb am 18. Oktober 1977 im Alter von 34 Jahren (geboren am 6. Mai 1943).
Was war der Deutsche Herbst?
Der Deutsche Herbst 1977 bezeichnet die Welle terroristischer Aktionen der RAF, darunter die Entführung und Ermordung von Hanns Martin Schleyer und die Kapung der Lufthansa-Maschine „Landshut“. Die Todesnacht von Stammheim war der Höhepunkt (stern – Chronik zum Deutschen Herbst).
Welche Rolle spielte Ulrike Meinhof in der RAF?
Ulrike Meinhof war eine prominente Journalistin, die zur Mitbegründerin der RAF wurde. Sie verfasste mehrere programmatische Texte der Organisation und war an der Baader-Befreiung 1970 beteiligt (Wikipedia DE – Ulrike Meinhof).
Wie viele RAF-Mitglieder starben in Stammheim?
In der Todesnacht starben drei: Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe. Ulrike Meinhof hatte sich bereits 1976 in ihrer Zelle das Leben genommen (Wikipedia DE – Todesnacht von Stammheim).
Was geschah mit Irmgard Möller nach der Todesnacht?
Irmgard Möller wurde nach der Todesnacht in ein Krankenhaus gebracht und später in den offenen Vollzug verlegt. Sie wurde 1994 aus der Haft entlassen und lebt zurückgezogen (Wikipedia DE – Irmgard Möller).
War die RAF eine terroristische Organisation?
Die RAF wird in Deutschland und international als terroristische Vereinigung eingestuft. Sie verübte von 1970 bis 1993 zahlreiche Morde, Entführungen und Anschläge (Wikipedia DE – Rote Armee Fraktion).